Skip to main content

Tradition vs. Haltung

Mein Nussknacker-Entwurf zwischen Erzgebirge, Rock und Herz

Anfang des Jahres beteiligte ich mich an einem Kreativwettbewerb der DENKSTATT Erzgebirge, gemeinsam mit simplysaxony und der Cadeaux Leipzig ausgeschrieben. Entdeckt hatte ich den Aufruf ganz klassisch auf Instagram – manchmal beginnt ein Projekt eben mit einem zufälligen Scrollmoment. Die Aufgabe: einen Nussknacker neu denken. Tradition bewahren – und gleichzeitig eine frische Idee einbringen. Ein spannendes Spannungsfeld. Und genau mein Thema.

    Warum eigentlich immer nur er? Relativ schnell war für mich klar: Der klassische Nussknacker braucht eine Frau an seiner Seite. Also entstand die Idee einer „Nussknackerin“. Modern. Selbstbewusst. Ein bisschen Rock’n’Roll, kombiniert mit Liebe und Weihnacht. An einem Sonntagnachmittag mit einer Tasse Tee entwickelte ich meinen Entwurf: Ein lila-schwarzes Kleid, Netzstrumpfhose, Herz-Gürtelschnalle, schwarze Brille. Auf dem Arm ein Lebkuchen-Tattoo. Ganz neu. Ganz anders. Ein bisschen 2026 im Erzgebirge. Was mich daran gereizt hat? Die Verbindung von Tradition und Haltung. Genau darüber schreibe ich hier im Blog immer wieder: Gestaltung darf respektvoll mit Herkunft umgehen und trotzdem mutig nach vorn schauen. (Ein Gedanke, der auch in meinen Beiträgen über Storytelling und visuelle Identität immer wieder auftaucht.)

    Natürlich gab es ein Preisgeld. Aber ehrlich gesagt war es nicht das, was mich motiviert hat. Die Aussicht, dass der Siegerentwurf von erzgebirgischen Kunsthandwerker:innen umgesetzt wird – als zwei Meter große Figur und als Serien-Nussknacker – war der eigentliche Antrieb. Wann bekommt man schon die Gelegenheit, in eine so traditionsreiche Branche hineinzuschnuppern und Gestaltung real werden zu lassen? Wobei – ganz neu war das für mich nicht. Vor ein paar Jahren durfte ich bereits für eine Chemnitzer Agentur eine Recruiting-Kampagne für Wendt & Kühn umsetzen. Schon damals hat mich die Verbindung aus Handwerk, Geschichte und moderner Kommunikation begeistert. Menschen für Tradition zu gewinnen. Nicht über Fakten, sondern über Haltung und Gefühl, ist eine Aufgabe, die mir sehr liegt.

      Vergangenen Samstag war es dann so weit: Ich fuhr zur Eröffnung der Cadeaux nach Leipzig. Die Cadeaux ist eine der führenden Fachmessen für Geschenk- und Wohntrends. Über 350 Aussteller und Marken aus elf Ländern präsentieren dort ihre Neuheiten. In Halle 5 wurde der Siegerentwurf feierlich enthüllt und die 20 besten Nussknacker-Kreationen aus mehr als 200 Einreichungen ausgestellt. Und ich durfte Teil dieser Top 20 sein. Natürlich wollte ich mir das persönlich anschauen. Es ist ein besonderes Gefühl, wenn eine Idee, die an einem ruhigen Sonntagnachmittag entstanden ist, plötzlich im Messekontext steht. Zwischen Fachpublikum, Handwerk, Tradition und neuen Impulsen. Gewonnen habe ich nicht. Aber ich bin definitiv reicher nach Hause gefahren. Reicher an Eindrücken. An Gesprächen. An Perspektiven. Und manchmal ist genau das der eigentliche Gewinn.

        Warum ich solche Projekte liebe? Solche Wettbewerbe erinnern mich daran, warum ich gestalte. Nicht um „etwas Hübsches“ zu produzieren. Sondern um Geschichten weiterzudenken. Um Bestehendes zu hinterfragen. Um neuen Blickwinkeln Raum zu geben. Denn genau dort entsteht Relevanz: Wenn Tradition nicht kopiert, sondern interpretiert wird. Wenn Gestaltung Haltung zeigt. Wenn Ideen Persönlichkeit bekommen.
        Welche Tradition würden Sie gern einmal neu interpretieren?

        Ach und ganz nebenbei durfte ich sogar Enie van de Meiklokjes kurz Hallo sagen.



          Du könntest folgendes mögen

            © yvonnebeyer.com

            Diese Website verwendet keine eigenen Cookies. Wir betten jedoch Videos von YouTube im erweiterten Datenschutzmodus (https://www.google.com/search?q=nocookie.youtube.com) ein.

            Dadurch werden erst dann Cookies von YouTube gesetzt, wenn Sie das Video abspielen. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.