Ein erster Besuch auf der OMR 2026 in Hamburg: 6 Stunden Anreise, 70.000 Menschen, volle Hallen und eine Stadt im Ausnahmezustand. Zwischen KI, Markenwelten und Erlebnisständen zeigt sich, wie modernes Marketing heute funktioniert. Eindrücke zwischen Überforderung, Inspiration und vielen neuen Ideen. Was bleibt nach so viel Input wirklich hängen?
Wissenstransfer: Von Hamburg nach Chemnitz
Endlich. Nach vielen Jahren habe ich es auf die OMR in Hamburg geschafft. Sechs Stunden Fahrt von Chemnitz aus, ein recht entspannter Ritt, und dann: Hamburg. Wer nicht aus dem Online- oder Marketingbereich kommt, dem wird dieses Event vielleicht nichts sagen. Dabei ist die OMR längst bekannter geworden, als ihr Gründer Philipp Westermeyer wohl je selbst daran zu glauben wagte. Mittlerweile reisen je 70.000 Menschen an zwei Tagen an. Man merkt es direkt: Hotels ausgebucht, die Stadt brummt. Besonders dann, wenn in derselben Woche noch der Hafengeburtstag ansteht. Gut gelegen war man, wer sich schon am Vorabend sein Eintrittsbändchen geholt hatte. Denn dann konnte man morgens einfach durchlaufen, ohne Warteschlange. Und trotz der schieren Menschenmenge verlief die gesamte Organisation bemerkenswert reibungslos: von der Garderobenabgabe über die Verpflegung bis hin zu den Sicherheitschecks an Ein- und Ausgängen. Alles flüssig, sauber und stets freundlich.
Zwischen Festival und Fachkonferenz
OMR steht für „Online Marketing Rockstars". Bedeutet das nun, dass alle Marketer Rockstars sind? Natürlich nicht. Aber im überhöhten Sinne vielleicht schon. Gemeint ist: Hier kommen die Besten der Branche zusammen. Menschen, die im digitalen Marketing besonders erfolgreich oder innovativ sind, stellen sich vor und teilen ihr Wissen. Und weil gutes Marketing nun einmal auch Show, Energie und eine große Bühne braucht, wird das Ganze konsequent als Erlebnis inszeniert. National wie international. Mit Speakern in den vergangenen Jahren wie Ryan Reynolds, Quentin Tarantino oder Kim Kardashian, mit Musik von Tokio Hotel und Ski Aggu. Kein Wunder, dass der Begriff „Festival" dabei immer mitschwingt. Und doch: Der fachspezifische Input ist so dicht und die Auswahlmöglichkeiten in den Messehallen und Vortragsräumen so zahlreich, dass der Festivalgedanke am Ende nur nebenbei zum Tragen kommt. Vorab buchte man sich über die App in Master Classes, Guided Tours und Vorträge ein. Am Stichtag wurde ausgelost. Alles getimt, alles organisiert, mit Kopfhörer und Fragerunde.
Ich hatte bei meiner Guided Tour etwas Pech, denn sie fiel kurzfristig aus. Stattdessen erzählte eine Social Media Managerin mitten auf dem Gang anhand eines Agenturinternen LEGO-Auftrags zum "Schwimmenden Otter", wie ein Bewegtbild-Projekt mit KI-Unterstützung entstand. Passend dazu ein ausgedrucktes Paper. Oldschool und charmant.
Als erstes war ich in einer Masterclass von Frontify, einer cloudbasierten Plattform für das Markenmanagement (Brand Management). Sie dient Unternehmen als zentrale Anlaufstelle, um den gesamten Markenauftritt konsistent und effizient zu verwalten, wie hier am Beispiel Telekom eindrucksvoll demonstriert.
Faszination, die bleibt
Was mich persönlich am meisten begeistert hat, waren die visuellen Reize. Sensationelle Messestände: digital animierte Hintergründe, XXL-Konstruktionen, interaktive Stationen zum Selbstausprobieren. Die Bauer Gruppe etwa hatte ihren Stand in Küchenoptik gestaltet und einen noch nicht erhältlichen veganen Frucht-Kefir verteilt. Die Besucher stimmten per QR-Code ab, welche Sorte am besten schmeckte. Ein ausgeklügeltes A-B-Testing direkt an der Zielgruppe.
Besonders spannend fand ich außerdem die Welt der Werbeartikel, Give-aways und Packagings: gebrandete Snackboxen, Coffee-to-go mit personalisiertem Milchschaum und sogar Lebkuchenherzen in der Porsche-Autoscooter-Halle – fast wie auf dem Volksfest.
Zusätzlich gab es Wände und Lounges mit Auflademöglichkeiten für Geräte und Akkus aller Art. Übrigens eine sinnvolle Aktion, um Menschen zu sich an den Messebereich zu locken.
Ebenfalls vorhanden war eine „Ausruhzone“. Leider entdeckte ich diese erst ziemlich spät, sonst wäre ich dort wohl eine Weile „versackt“. Dort standen bequeme Liegesessel mit Monitoren und Ladestationen bereit, um dem ganzen Trubel für einen Moment zu entkommen. Entsprechend beliebt und nahezu dauerhaft besetzt waren diese Plätze.
Auch einige Fotosstationen gab es, entweder zum Direktausdruck oder zum Versenden aufs Telefon. Am ZDF-Stand durfte ich die liebe Sarah McLane von Das rollende Fotozimmer kennenlernen. Sie wurden beispielsweise vom Sender ZDF mit ihrer witzigen Diskokugel-Fotobox gebucht. Dies ist gerade für Mitarbeiter-Events total angesagt und viel genutzt. Schaut gern mal rein: cliffmclane.com (Übrigens kommt Sarah ursprünglich auch aus Sachsen, so dass wir direkt gevibt haben.)
Die Nutzung unkonventioneller Elemente wie einem Autoscooter-Fahrgeschäft beim PORSCHE-Stand, interaktive Roboter von Neura Robotics, der Wall Run der Zurich Versicherung oder die Postkarten-Ecke von Pinterest dienten nicht nur der reinen Unterhaltung, sondern auch dem Abbau sozialer Hemmschwellen im Beratungs- und Verkaufskontext.
„Ja, wenn man so will, war KI (Künstliche Intelligenz) eines der zentralen Themen auf der OMR.“
Ja, wenn man so will, war KI (Künstliche Intelligenz) eines der zentralen Themen auf der OMR. Im Fokus stand vor allem die Frage, wie sich Prozesse effizienter gestalten lassen und wo sich unnötige Komplexität reduzieren lässt.
Für Designer*innen verändert sich dadurch vieles: Es geht längst nicht mehr nur darum, „schöne“ Oberflächen zu gestalten, sondern vielmehr darum, Prozesse zu hinterfragen, zu vereinfachen und gezielt zu entrümpeln.
Auch ich – als Ihre Reisebegleitung für Kreativprojekte – möchte mich in diese Richtung zunehmend selbst definieren: mit dem Anspruch, Umwege zu vermeiden und Prozesse klarer sowie effizienter zu gestalten, ohne dabei die menschliche Originalität oder den kreativen Spielraum einzuschränken. Der Einsatz von KI erfolgt dabei gezielt und nur dort, wo ein echter Mehrwert entsteht.
In einer Masterclass wurde gezeigt, wie KI-Tools von Black Forest Labs – Frontier AI Lab kreative Prozesse im Grafikdesign skalierbar und effizient unterstützen können. In einer Kampagne wurden dafür ausdrücklich spezielle Verträge mit mehreren Models geschlossen, um deren Zustimmung einzuholen und ihre Bilder rechtssicher in KI-Systeme einzubinden und daraus neue, ergänzende Inhalte zu generieren. So entstehen maximal effiziente, technologische Möglichkeiten für moderne, KI-gestützte Kampagnen.
Die OMR bot ein Line-up mit internationalen Stars aus Sport, Entertainment und Tech, das ich natürlich ungern verpasst hätte. Am liebsten hätte ich mir jeden Speaker angehört, aber das ist zeitlich leider unmöglich. Man muss schon sehr genau für sich selbst auswählen, welche der prominenten Keynote-Speaker und Headliner man sehen und hören möchte, um die Vorträge dann um die gebuchten Slots herum zu planen.
Dieses Jahr waren u. a. Tom Brady (legendärer NFL-Superstar), Heidi Klum (Supermodel und TV-Unternehmerin), Meredith Whittaker (Tech-Expertin und Präsidentin der Signal Foundation), Bill Kaulitz (Sänger und Creator), Roland Emmerich (Hollywood-Regisseur), Rezo (Streamer und Creator) sowie Lars Klingbeil (deutscher Vizekanzler) auf den Bühnen vertreten.
FAZIT: Auf der OMR darf man ruhig mal gewesen sein. Ob ich jedes Jahr dort sein werde, ist fraglich, denn am Ende ist eine ganze Arbeitswoche irgendwie weg. Aber hin und wieder neue Reize zu setzen, kann keineswegs verkehrt sein. Und vielleicht ist genau das die Frage, die ich von der OMR mitgenommen habe: Wie schaffen wir es, mit visuellen oder haptischen Reizen gezielt Aufmerksamkeit zu erzeugen?
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Was ist das OMR Festival in Hamburg genau?
Das OMR Festival ist eines der größten Events für digitales Marketing in Europa. In Hamburg treffen sich Unternehmen, Expertinnen und Experten sowie Marken, um Trends, Strategien und Innovationen rund um Online Marketing, KI und digitale Kommunikation zu erleben.
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Wie viele Menschen besuchen die OMR?
Mittlerweile kommen rund 70.000 Besucherinnen und Besucher an zwei Tagen nach Hamburg. Das Event ist entsprechend groß, stark frequentiert und die gesamte Stadt ist währenddessen deutlich spürbar voller als üblich.
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Lohnt sich ein Besuch der OMR auch ohne Marketing-Hintergrund?
Grundsätzlich richtet sich die OMR stark an die Digital- und Marketingbranche. Dennoch lohnt sich ein Besuch auch für interessierte Quereinsteiger, da viele Inhalte verständlich aufbereitet sind und vor allem die Erlebniswelten, Stände und Trends einen guten Einblick in die digitale Zukunft geben.
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Welche Rolle spielt Design auf der OMR?
Design ist auf dem OMR Festival längst mehr als reine Optik. Unternehmen nutzen visuelle Konzepte, Raumgestaltung und interaktive Stände, um Marken erlebbar zu machen. Es geht um Erlebnisdesign, das Emotionen auslöst und Besucher aktiv in die Marke hineinzieht.
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Welche Marketingtrends waren auf der OMR besonders sichtbar?
Ein klarer Schwerpunkt lag auf KI, Automatisierung und datengetriebenen Kampagnen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Storytelling und Erlebnisorientierung immer wichtiger werden. Marken setzen weniger auf reine Produktkommunikation und stärker auf Inszenierung, Interaktion und psychologische Markenbindung.
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