Warum auf Vernissagen gehen

Von Inspiration, Begegnungen und der Vielfalt der Besuchertypen

Gestern Abend war ich auf der Ausstellungseröffnung Hallenkunst 2025 in Chemnitz. Schon im Vorfeld habe ich mich darauf gefreut, zwei alte Studienfreunde wiederzusehen, die dort als Aussteller vertreten waren. Beide arbeiten sehr unterschiedlich, und doch eint ihre Kunst die Reduktion. Werke, die ich mir ohne Zögern sowohl ins Büro als auch in die Wohnung hängen würde. Während ich später im Bett lag, kam mir die Frage in den Kopf: Warum gehen Menschen eigentlich auf Vernissagen?

Beobachtungen und Besuchertypen

Für mich persönlich steht ganz klar der kreative Input im Vordergrund. Dicht gefolgt von der Auszeit, die ich mit lieben Menschen verbringe. Dazu gehört für mich auch das Beobachten und Analysieren – direkt vor Ort, mitten im Geschehen. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie vielfältig die Motive der Besucherinnen und Besucher sind. Ich habe sie mal versucht, zu kategorisieren:

  • Die Pflichtbewussten. Menschen, die aus politischer Funktion oder gesellschaftlichem Status heraus Präsenz zeigen „müssen“. Sie halten Reden, posieren vor Publikum – manchmal ohne echten Bezug zur Kunst. Dennoch sorgen sie für Sichtbarkeit, und das hat seinen Wert.

  • Die Kunstszene selbst. Künstlerinnen und Künstler, Sammler und Kenner, die tief eintauchen wollen, philosophieren, sich gegenseitig Schulterklopfen geben und zeigen: „Ich bin Teil davon.“

  • Freunde und Familie. Sie kommen, um zu supporten, posten Fotos in der Familiengruppe oder auf Social Media und schenken dem Abend eine persönliche Wärme.

  • Die Spontanen. Menschen, die zufällig vorbeischauen, neugierig sind, sich über Flyer, Sticker oder Stempel freuen – und die spätestens beim Sektempfang strahlen. Auch sie tragen die Energie des Abends nach außen, oft mit einem Selfie auf Instagram.

All diese unterschiedlichen Besuchertypen haben ihre Daseinsberechtigung. Jede und jeder Einzelne trägt auf seine Art dazu bei, dass solch ein Event lebendig und facettenreich wird.

Ich selbst zehre immer sehr lange von solchen Abenden. Sie geben mir Input – privat wie beruflich. Gestern zum Beispiel habe ich zufällig einen ehemaligen Kommilitonen getroffen, der extra aus Dresden angereist war. Außerdem entfachte der New Yorker Graffiti-Künstler Steven Blade in mir erneut den Wunsch, nach vielen Jahren mal wieder nach Manhattan zu reisen.

Am Ende bleibt für mich die Erkenntnis: Eine Vernissage ist viel mehr als die Kunst an den Wänden. Sie ist ein Ort der Begegnung, der Inspiration und der Vielfalt. Jede und jeder Besucher hat seinen Platz – und genau diese Mischung macht den Zauber solcher Abende aus.



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