Skip to main content Skip to footer Skip to navigation

Mit Essen spielt man nicht

„Mit Essen spielt man nicht“ kennen wir wohl alle. Aber warum eigentlich? Ein persönlicher Blick auf Tischmanieren, kindliche Neugier, Käsekunst und die Frage, warum Spielen und Ausprobieren vielleicht viel mehr miteinander zu tun haben, als wir denken.

Mit Essen spielt man nicht!

Diesen Satz kennt vermutlich jeder: „Mit Essen spielt man nicht!“ Ein klassischer deutscher Spruch zu Tischmanieren. Essen soll wertgeschätzt werden, man soll ordentlich damit umgehen und nicht damit herumalbern. Und irgendwie steckt da ja auch etwas drin. Früher waren Lebensmittel längst nicht so selbstverständlich verfügbar wie heute. Essen war wertvoll und wurde entsprechend behandelt. Respekt vor Nahrung spielte eine wichtige Rolle. Aber muss das eigentlich bedeuten, dass man Essen niemals anfassen, ausprobieren oder sogar ein bisschen zweckentfremden darf?

Heute sieht man das ein bisschen entspannter

Gerade bei kleinen Kindern hat sich der Umgang damit ziemlich verändert. Da wird schon mal eine Wachstuchdecke auf dem Tisch ausgebreitet, ein Berg Spaghetti direkt darauf verteilt und gemeinsam mit dem Kind vom Tisch gegessen. Nicht unbedingt, weil Teller plötzlich abgeschafft wurden. Sondern weil Kinder die Welt nun einmal mit allen Sinnen entdecken. Sie matschen. Sie drücken. Sie riechen. Sie fühlen. Sie probieren. Und ja, manchmal landet das Essen auch dort, wo es eigentlich nicht hingehört. Gerade für Babys und Kleinkinder ist dieses Anfassen, Drücken und Fühlen von Lebensmitteln ein wichtiger Teil ihrer Sinneswahrnehmung und Entwicklung.
Und ich bin ehrlich, mein persönlicher Fall war es nicht, dass mein Kind so rummatscht. Aber ein bißchen Entspanntest gehört zum Elterndasein auch dazu. Letztlich kann man auch recht gut Vorkehrungen treffen, dass es nicht allzu ausartet.

Und dann kommt der kleine Künstler

Wie ich überhaupt auf diesen Blogartikel komme? Neulich hat sich mein Sohn Käse geschnitten. Ich habe kurz nicht hingeschaut und schon hatte er aus dem Käse seinen Namen geschnitzt. Natürlich musste ich lachen. Denn lustigerweise hat er das schon vor Jahren gemacht. Mit Plätzchenteig. Mit Stiften. Mit Legosteinen. Und am allerliebsten hat er seine Namensbuchstaben gelegt. Wahrscheinlich, weil genau das die ersten Buchstaben waren, die er sich als Kleinkind eingeprägt hatte. Und plötzlich wird aus einem Stück Käse eben kein Stück Käse mehr. Sondern ein Material. Eine Idee. Ein Spiel. Und genau da wird es für mich als Designerin interessant.

Warum eigentlich nicht?

Auch in meiner Kindheit gab es übrigens jede Menge Spiele, bei denen ganz selbstverständlich mit Essen gespielt wurde. Beim Topfschlagen befanden sich unter dem gefundenen Topf Lebensmittel. Beim Schokoladenessen wurde mit Handschuhen, Würfel und Besteck um die Schokolade gekämpft. Und beim Stoppessen wurde ebenfalls gegessen, gespielt und gelacht. Also mal ehrlich: Warum wurde es da eigentlich geduldet?! Vielleicht, weil wir intuitiv verstanden haben, dass Spielen eben auch Lernen bedeutet.

Spielen heißt ausprobieren

Ich finde den Gedanken schön, dass Kreativität genau dort entsteht, wo man Dinge ausprobieren darf. Was passiert, wenn ich den Käse anders schneide? Wie sieht mein Name aus, wenn ich ihn aus Essen lege? Was kann ich aus einem Stück Teig machen? Wie kann ich aus Legosteinen einen Buchstaben bauen? Es geht dabei gar nicht darum, dass am Ende ein Kunstwerk entsteht. Es geht ums Machen, Verändern, Ausprobieren und Entdecken. Und vielleicht sollten wir uns genau diese Haltung ein kleines bisschen bewahren. Denn irgendwann hören wir auf, mit Essen zu spielen. Dann hören wir auf, Dinge einfach auszuprobieren. Dann soll alles funktionieren, ordentlich sein und am besten direkt richtig werden. Für Kreativität ist das allerdings nicht unbedingt die beste Voraussetzung.

Vielleicht müssen wir Essen nicht ständig als Spielzeug betrachten. Aber vielleicht dürfen wir Kindern auch den Raum lassen, Dinge mit allen Sinnen zu entdecken. Und vielleicht sollten wir uns als Erwachsene davon sogar ein kleines Stück abschauen. Denn genau dieses neugierige „Was passiert, wenn ...?“ ist doch eigentlich der Anfang jeder kreativen Idee. Ob aus Käse ein Name wird, aus Teig ein Fantasiewesen oder aus einer ersten Idee am Computer am Ende ein fertiges Design entsteht. Kreativität braucht Raum zum Ausprobieren. Und manchmal beginnt sie eben mit einem Stück Käse auf dem Küchentisch. Also: Mit Essen spielt man nicht? Na ja. Ein kleines bisschen vielleicht schon.

  • Was hat Spielen mit Kreativität zu tun?

    Sehr viel. Beim Spielen werden Dinge ausprobiert, verändert und neu miteinander kombiniert. Genau dieses spielerische Denken ist auch für kreative Arbeit wichtig. Nicht jede Idee muss sofort funktionieren. Manchmal entsteht etwas Gutes gerade dadurch, dass man einfach mal ausprobiert, was passiert.

  • Warum ist kreatives Ausprobieren gerade für Kinder wichtig?

    Kinder entdecken die Welt, indem sie anfassen, fühlen, bauen, malen, zerlegen und neu zusammensetzen. Dabei entstehen ganz nebenbei Sinneserfahrungen, eigene Ideen und kreative Lösungen. Und vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn wir Erwachsenen uns diese Neugier ein Stück bewahren.

  • Kann man Kreativität überhaupt fördern?

    Ich glaube schon. Vor allem, indem man Raum zum Ausprobieren lässt und nicht jede Idee sofort bewertet. Ob mit Käse, Knete, Lego, Papier oder am Computer ist dabei eigentlich zweitrangig. Entscheidend ist, dass man Dinge ausprobieren darf und nicht immer schon wissen muss, was am Ende dabei herauskommt. Genau daraus entstehen schließlich auch beim Grafikdesign oft die spannendsten Ideen.



Du könntest folgendes mögen

    © yvonnebeyer.com