Arbeitsalltag, Botschaften, Symbole & Icons.
Piktogramme, Teil 2
Autor: Yvonne Beyer veröffentlicht am .
Ob am Bahnhof, auf einer Verpackung oder im digitalen Alltag: Piktogramme begegnen uns überall. Als Chemnitzer Grafikerin schaue ich auf diese kleinen Zeichen natürlich etwas genauer. Vorallem wenn ich unterwegs bin. Denn ein gutes Piktogramm muss nicht nur gut aussehen, sondern vor allem verständlich sein.
Kleine Zeichen, große Wirkung.
Piktogramme sind überall. Aber sind sie auch verständlich?
Haben Sie schon einmal vor einem Schild gestanden und sich gefragt, was dieses Zeichen eigentlich bedeuten soll? Dann wissen Sie, worauf es bei Piktogrammen ankommt. Im besten Fall erfassen wir ihre Aussage auf einen Blick. Sie zeigen uns, wo es langgeht, weisen auf Gefahren hin oder helfen uns, Informationen schneller zu finden.
Piktogramme sind stark vereinfachte Bildzeichen, die Informationen möglichst verständlich und unabhängig von Sprache vermitteln sollen. Das klappt allerdings nicht automatisch bei jedem Zeichen. Denn was für den einen sofort einleuchtend ist, kann für jemand anderen erst einmal ein Rätsel sein. Und genau deshalb ist das Gestalten dieser kleinen Zeichen spannender, als es zunächst klingt.
Eine Auswahl an Toiletten-Piktogrammen, die jeder – egal welche Nationalität – leicht erkennt und versteht
Vier Prinzipien für gutes Piktogramm-Design
| __________ | ______________________________ |
|---|---|
| → | 1. Konsistenz: Alle Zeichen sollten zusammenpassen. Wenn mehrere Piktogramme gemeinsam eingesetzt werden, sollten sie auch gestalterisch eine Einheit bilden. Dazu gehören beispielsweise eine einheitliche Linienstärke, ähnliche Ecken und ein durchgängiges Formprinzip. So entsteht eine klare Bildsprache, bei der nicht jedes Zeichen aussieht, als käme es aus einer anderen Sammlung. |
| ⛰︎ → △ | 2. Reduktion: Was kann weg? Ein gutes Piktogramm konzentriert sich auf das Wesentliche. Überflüssige Details können ablenken und die Erkennbarkeit erschweren. Besonders spannend finde ich dabei die Frage: Wie viel kann ich weglassen, ohne dass die Aussage verloren geht? Ein Zeichen muss schließlich auch dann noch funktionieren, wenn es klein gedruckt wird oder auf einem Smartphone erscheint. |
🗨 |
3. Klarheit: Wer soll das verstehen? Ein Zeichen, das für mich eindeutig ist, muss nicht automatisch für alle anderen verständlich sein. Erfahrungen, kulturelle Hintergründe und der jeweilige Zusammenhang können beeinflussen, wie Menschen ein Bild interpretieren. Deshalb lohnt es sich, Entwürfe in ihrer tatsächlichen Anwendung zu testen. Ist das Zeichen aus etwas Entfernung noch erkennbar? Wird es ohne zusätzlichen Text verstanden? Passt es zum Einsatzort und zur Zielgruppe? Gerade bei wichtigen Hinweisen sollte man sich nicht allein darauf verlassen, dass die eigene Idee für alle selbstverständlich ist. |
| □ | 4. Das passende Format: Auch die Technik zählt. Für digitale Anwendungen eignen sich Vektorformate wie SVG häufig besonders gut. Sie lassen sich vergrößern und verkleinern, ohne dass die Grafik dabei unscharf wird. Bei Druckprodukten spielen außerdem die geplante Größe und die technischen Anforderungen der Druckerei eine Rolle. Denn am Ende soll das Zeichen dort funktionieren, wo es tatsächlich gebraucht wird. |
Gefahrensymbole: Hier muss die Aussage sitzen
Ein besonders wichtiges Beispiel sind die genormten Gefahrstoffpiktogramme. Sie begegnen uns unter anderem auf chemischen Produkten und Verpackungen. Die bekannten Zeichen haben einen roten Rautenrahmen und warnen beispielsweise vor entzündlichen, giftigen oder ätzenden Stoffen. Sie folgen international abgestimmten Vorgaben.
Hier geht es nicht um eine möglichst originelle Gestaltung, sondern vor allem um eine eindeutige und regelkonforme Kennzeichnung. Wenn ein Zeichen vor einer Gefahr warnen soll, muss seine Bedeutung klar sein.
Piktogramm, Icon oder Symbol? Wo liegt der Unterschied?
Die drei Begriffe werden im Alltag gern durcheinandergeworfen. Verständlich, denn sie haben einiges gemeinsam. Trotzdem gibt es kleine, aber feine Unterschiede.
| Symbol | |
|---|---|
| | Ein Symbol steht für etwas, das über seine reine Darstellung hinausgeht. Seine Bedeutung muss man kennen oder gelernt haben. Eine Taube steht beispielsweise für Frieden, ein Herz für Liebe und ein angeknabberter Apfel für die Marke Apple. Die Bedeutung steckt also nicht unbedingt im Aussehen selbst, sondern in dem, was wir damit verbinden. |
| 🔎 | Ein Icon zeigt häufig einen Gegenstand oder eine Funktion. Besonders in der digitalen Welt begegnen uns diese kleinen Zeichen ständig: die Lupe für die Suche, der Papierkorb zum Löschen oder das Zahnrad für die Einstellungen. Wir finden sie in Apps, Programmen und auf Webseiten. |
| 🚻 | Ein Piktogramm vermittelt eine Information durch ein stark vereinfachtes Bildzeichen. Es soll möglichst schnell und ohne erklärenden Text verständlich sein. Typische Beispiele sind das Zeichen für die Toilette, ein Fluchtweg-Pfeil oder das Rauchverbotsschild. Besonders im öffentlichen Raum helfen Piktogramme bei der Orientierung und können Sprachbarrieren verringern. |
Gibt es eigentlich eine Rangordnung? Nicht wirklich. Man kann die Begriffe zwar voneinander abgrenzen, aber die Grenzen sind fließend und die Bedeutungen überschneiden sich.
Symbol: steht für eine bestimmte Bedeutung, die man kennen oder erlernen muss.
Piktogramm: vermittelt eine Information durch ein vereinfachtes Bildzeichen, möglichst unabhängig von Sprache.
Icon: kennzeichnet häufig einen Gegenstand oder eine Funktion, besonders auf digitalen Geräten.
Ganz trennscharf ist das allerdings nicht. Das Männchen auf der Toilettentür ist ein Piktogramm und steht gleichzeitig symbolisch für eine bestimmte Toilette. Und das Papierkorb-Zeichen auf dem Computer ist ein Icon, das zugleich wie ein kleines Piktogramm funktioniert.
Meine kleine Merkhilfe dazu: Ein Symbol steht für etwas. Ein Piktogramm macht eine Information sichtbar. Ein Icon zeigt häufig, was ich anklicken oder womit ich etwas tun kann. Und wie so oft im Grafikdesign gilt: Die Bezeichnung ist nicht das Wichtigste. Entscheidend ist, ob das Zeichen seinen Zweck erfüllt und von den Menschen verstanden wird, für die es gedacht ist.
Nicht jedes Zeichen wird überall gleich verstanden
Piktogramme sollen Sprachbarrieren überwinden. Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Bild auf der ganzen Welt automatisch dieselbe Bedeutung hat.
Kulturelle Erfahrungen und Gewohnheiten beeinflussen, wie wir Zeichen lesen. Auch der Zusammenhang spielt eine Rolle. Ein Symbol kann in einem Bereich selbstverständlich sein und in einem anderen für Verwirrung sorgen.
Deshalb gilt für die Gestaltung: Nicht einfach davon ausgehen, dass alle schon verstehen werden, was gemeint ist. Lieber testen und bei Bedarf ergänzende Informationen anbieten.
Ein paar Striche? Ganz so einfach ist es nicht.
Bei der Gestaltung geht es nicht nur darum, dass etwas schön aussieht. Es soll auch funktionieren und die gewünschte Botschaft vermitteln. Ob Logo, Broschüre, Flyer, Verpackung oder digitales Medium: Ich überlege, welche Informationen wichtig sind, wie sie gegliedert werden und welche Gestaltung zur Zielgruppe passt.
Piktogramme sind dafür ein besonders schönes Beispiel. Wenige Formen müssen eine klare Aussage treffen. Das braucht manchmal mehr Überlegung, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Und natürlich gilt auch hier: Nicht jedes Projekt braucht Piktogramme. Manchmal sind eine gute Überschrift, eine passende Schrift oder ein aussagekräftiges Bild die bessere Lösung. Entscheidend ist, was für die jeweilige Aufgabe sinnvoll ist.
Ein Beispiel aus meiner Studienzeit: Konzept einen Orientierung- und Leitsystems durch die Stadt Magdeburg mit eigener Piktogrammsprache (in Zusammenarbeit mit Dipl.-Des. Katrin Klunker)
Verständlichkeit ist kein Zufall
Gute Piktogramme wirken oft selbstverständlich. Wir sehen sie, verstehen sie und machen weiter. Dahinter steckt aber eine Menge gestalterischer Überlegung. Reduktion, Einheitlichkeit und Klarheit sind wichtige Grundlagen. Genauso wichtig ist es, die Zielgruppe und den tatsächlichen Einsatz im Blick zu behalten.
Jetzt bin ich neugierig: Welches Piktogramm begegnet Ihnen im Alltag besonders häufig? Und gibt es ein Zeichen, bei dem Sie jedes Mal überlegen müssen, was es bedeuten soll?
Wenn Sie für Ihr Unternehmen eine passende Bildsprache, individuelle Icons oder ein übersichtliches Gestaltungskonzept suchen, sprechen Sie mich gern an. Gemeinsam finden wir heraus, welche Lösung zu Ihrem Projekt passt.
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Was macht ein Piktogramm verständlich?
Eine klare, reduzierte Darstellung, ein passender Einsatzkontext und eine gute Erkennbarkeit. Ob ein Zeichen tatsächlich verstanden wird, sollte möglichst mit der vorgesehenen Zielgruppe geprüft werden.
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Kann ich individuelle Piktogramme für mein Unternehmen gestalten lassen?
Ja. Individuelle Piktogramme können beispielsweise für Leitsysteme, Broschüren, Verpackungen oder digitale Angebote entwickelt werden. Wichtig ist, dass die Zeichen zur Gestaltung des Unternehmens passen und ihre Aussage verständlich bleibt.
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Was ist bei Piktogrammen für Print und digitale Medien zu beachten?
Die Zeichen sollten in der vorgesehenen Größe gut erkennbar sein. Für digitale Anwendungen eignen sich häufig Vektorformate wie SVG. Bei Druckprodukten müssen zusätzlich die Anforderungen des jeweiligen Druckverfahrens berücksichtigt werden.
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